
Essigrose – wilde Schönheit zwischen Licht,
Duft und Heilkraft
Essigrose – eine Überlebenskünstlerin
Die Essigrose ist Hitze- und Trockenheitsresistent. Sie ist, wie all die zahlreichen Wildrosenarten aus den Gärten weitgehendst verschwunden. In der Zeit des Klimawandels, wo gezüchtete Rosen bereits mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen haben, erlebt der Wildstrauch ein Comeback.
Die Essigrose liebt die karge, trockene Erde. Sie verwurzelt sich tief. In der Tiefe des Erdbodens bildet sie achsenartig Seitenwurzeln aus.
Regina Hruska: “Ich würde sagen, die Essigrose ist eine sehr schlaue Pflanze. Sollten ihre oberirdischen Teile ein Unglück treffen und sie vernichten, dann treibt sie auf Grund ihrer Verwurzelungsstrategien wieder aus. Wir haben das im Heilgarten selbst erlebt. Die Essigrose musste bis zum Boden zurückgeschnitten werden. Im kommenden Jahr streckte sie ihre grünen Zweige wieder aus der Erde.”
Die Essigrose wächst wild und liebt lichte Laubwälder. Wo Buche, Eiche, Haselstrauch, Birke, Akazie, Ahorn, Holunder und Hartriegel wachsen. Auch auf trockenen Wiesen und selten in Gärten ist sie zu finden.
Wildrosen sind nicht gekreuzte Gattungen und man erkennt sie daran, dass sie nicht gefüllt sind, 5 Petale haben, viele Staubgefäße und sich die Blüten zur Hagebutte entwickeln.

Lebensfülle im Jahreslauf
Die Essigrose blüht meist im späten Frühling bis in den Frühsommer hinein. Sie bringt wie alle Wildrosen, im Frühling Lebensfülle in Gärten und Landschaften, im Sommer die Freuden des Lebens und sie beschenkt im Herbst Tiere und Menschen mit ihren Früchten.
“Siehe, die Rosen im Garten öffnen sich alle dem Licht, meine Seele, zögere nicht”,
ein Zitat von Mathias Claudius, 1740 – 1815.
Auf den Spuren alter Rosenkulturen
Die Spur der Essigrose und anderer Wildrosen führt nach Babylonien. Die Menschen damals waren Meister im Hochterrassenbau, Tempelbau und im Bau von Bewässerungsanlagen. Die kühnen Baumeister widmeten sich auch der Anlage von Äckern und Wiesen.
Dort florierte neben der Dattelbauzucht, der Granatapfelanbau, der Weinbau und Gemüseanbau.
In der Uruk-Kultur, der Zeit der großen Göttin Ischtar und des Gilgamesch, ist auf Tontafeln belegt, dass aus Wildrosen Rosenwasser und Duftstoffe hergestellt wurden. Sie beherrschten die Kunst der Destillation.

Essigrose in Märchen und Dichtung
Märchen erzählen von Heckenrosen, wie zum Beispiel das Märchen der Brüder Grimm:
„Schneeweißchen und Rosenrot“.
Viele dieser Märchen bereichern therapeutische Arbeit, da sie Mythologien, Symbole und Wege zur Gesundung eingewebt haben.
Auch Johann Wolfgang Goethe, der stets den Geist in der Natur zu fassen suchte, war von dem Röslein angezogen.
Um 1770 schrieb er die Ballade vom „Heidenröslein“.
Franz Schubert, der Goethe sehr verehrte, vertonte 1815 das Heidenröslein. Es wird bis heute gesungen.

Gemeinschaft statt Einzelgängertum
In der Landschaft steht sie selten alleine.
Sie wächst in Begleitung wildwachsender Büsche wie Berberitze, Roter Heckenkirsche, Brombeere, Himbeere, Sanddorn, Schlehdorn, Ginster, Liguster und Weißdorn.
Im Heilgarten von „Licht aus der Jurte Shamanic Centre Vienna“ und der „Shamanic Clinic Europe“ wächst sie neben Birnbaum, Apfelbaum und Kirschbaum sowie in Hecken mit Kirschlorbeer, Weißdorn und Jasminbaum.
Schamanen haben sie auch in den Bergen bei Seminaren in der schamanischen Ausbildung angetroffen.
Apothekerrose und altes Heilwissen
Blüten werden zur Blütezeit gesammelt, Hagebutten im Herbst.
Den Namen Apothekerrose erhielt sie in den Gärten des Mittelalters, die Karl der Große (747 – 814) anlegen ließ und sie galt seit dieser Zeit als heilkräftig.
Hildegard von Bingen (1098 – 1179) empfahl das Auflegen der Blätter bei Jähzorn und triefenden Augen. Und man nutzte das Destillat zur Augenspülung von Wunden. Sie empfahldie in Salben Salbei hineinzumischen und diese bei Krämpfen und Lähmungen zu verwenden.
Die Blätter werden im Sommer gesammelt, sie enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe, Gerbsäure, Geraniol, Saponine. Sie wirken adstringierend, blutstillend, nervenstärkend. Bei Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Lungenleiden. Heilung im Mund- und Rachenraum.
Nervenstärkend sind auch die Heilpflanzen: Hafer, Gundermann, Kamille, Lavendel, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, Rosmarin, Thymian, Wermut, Römische Kamille, Schöllkraut, Minzen, Salbei und Mohn. Blüten vom Holunder, Weißdorn und von Linde.

Essigrose – Duft, Herz und alte Kulturpflanze
Neben Anmut und Lebensfülle bringt sie Heilkraft und war und ist ein Ingredienz bei der Herstellung von Parfums. Die Herzpflanze ist ein Bestandteil von Rosenölen, Rosenwasser und Rosenessig.
Essigrose in der Selbstversorgung
Die Essigrose gehört zu jenen Wildpflanzen, die auch in schwierigen Zeiten ihren Wert behalten. Ihre Hagebutten liefern Nahrung, ihre Blüten dienen der Herstellung von Rosenwasser und ihre dichten Hecken bieten Schutz für Tiere. Gerade dann, wenn Menschen gezwungen sind, wieder einfacher zu leben und regionale Ressourcen zu nutzen, erinnert die Essigrose daran, dass Selbstversorgung oft mit widerstandsfähigen Wildpflanzen beginnt.
Die Essigrose erinnert uns daran, dass Widerstandskraft ohne Härte wachsen kann. Selbst nach Rückschlägen findet das Leben Wege, neu auszutreiben und wieder zur Blüte zu gelangen.
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