
Linde – Baum der Gemeinschaft und Heilpflanze Europas
Die Linde gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Bäumen Europas. Seit Jahrhunderten steht sie für Schutz, Gemeinschaft und Heilung und war in vielen Dörfern Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Bis heute gilt sie als Herzbaum – ein Baum der Milde, des Trostes und der Verbundenheit.
Winterlinde und Sommerlinde – vertraute Begleiter Europas
Die Winterlinde (Tilia cordata) wird bis zu 30 Meter hoch, ihre eher breiten Blätter sind herzförmig. Ihre kleinen runden Früchte sind leicht kantig.
Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) wird höher als die Winterlinde und ihre herzförmigen Blätter werden bis zu zwölf Zentimeter lang.

Silberlinde – Zukunftsbaum im Klimawandel
Die Silberlinde (Tilia tomentosa) stammt aus dem Balkan und gilt heute als ein hitzeresistenter Baum. Die silberweiße Blattunterseite dreht sich bei starker Sonneneinstrahlung an die Oberfläche und schützt den Baum vor Austrocknung.
In Zeiten zunehmender Erwärmung gehört die Silberlinde zu jenen Bäumen, die als Zukunftsbäume wieder verstärkt in den Blick rücken.
In Städten wird sie aufgrund ihrer Trockenheits- und Hitzetoleranz zunehmend gepflanzt und kann dazu beitragen, grüne Lebensräume auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zu erhalten.

Linde im Verbund der europäischen Waldlandschaft
Linden wachsen häufig gemeinsam mit Eiche, Buche, Ahorn, Esche und Haselstrauch. In lichten Mischwäldern, an Waldrändern und in alten Kulturlandschaften prägen sie seit Jahrhunderten das Bild der europäischen Wälder.
Die Winterlinde blüht im Juli, später als die Sommerlinde, und ist bereits in jungen Jahren eine ergiebige Nahrungsquelle für Hummeln, Bienen und zahlreiche Insekten.
Der Lindenbaum im Heilgarten des Schamanenzentrums Wien hat noch nicht seine volle Größe erreicht. Er steht neben Holunder, Ahorn, Akazie, Eiche, Buche, Eibe, Weide, Weißdorn und Schlehdorn und trägt zur biologischen Vielfalt des Gartens bei.

Kraftbaum Linde – Herzbaum Europas
Ein Baum der Sanftmut, der Geborgenheit und der Milde – ein lindernder Baum. Im nordeuropäischen und slawischen Raum galt der Lindenbaum als heilig und war Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Bis heute gilt er als Familienbaum, und bei der Geburt eines Kindes wird mancherorts noch ein Herzbaum gepflanzt.
Die germanische Mythologie berichtet, dass die Linde der Göttin Freya geweiht war, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Der Baum der Geborgenheit mit seinen herzförmigen, leicht duftenden Blättern und Blütenständen wurde als „Herzpflanze“ verehrt.
Auch in den Druidenmysterien spielte die Linde eine bedeutende Rolle. Sie galt als Stätte der Gerichtsbarkeit. Der Baum der Milde gleicht in seinen Schutzqualitäten dem Holunder und wurde als dem Menschen wohlgesinnt angesehen. Nur ein einziges Mal wird berichtet, dass sie ihren Schutz versagte:
Im Nibelungenlied verhindert ein Lindenblatt den vollständigen Schutz Siegfrieds.
Die Linde und das Heilwissen der Antike
Im antiken Griechenland erzählt die Sage, dass die Nymphe Philyra, Tochter des Okeanos, sich mit Kronos vereinigte. Als Rhea die beiden überraschte, floh Kronos in Gestalt eines Pferdes. Philyra gebar einen Sohn, halb Mensch, halb Pferd – den Zentauren Cheiron.
Sie schämte sich und bat darum, verwandelt zu werden. So wurde sie zur Linde. Cheiron wurde später zu einem berühmten Gelehrten, Arzt und Propheten.
Regina Hruska: „In manchen Seminaren und in der Ausbildung ‚Spirituelles Heilen – Heilschamanismus‘ oder in der schamanischen Ausbildung erzähle ich vom Heilwissen des Chiron, der Asklepios seine Geheimnisse mitteilte.“

Lebensbaum Linde und ihre Heilwirkung
Als Heilbaum und Schutzbaum steht die Linde bis heute in hohem Ansehen. Ihre Blüten werden kurz nach dem Aufblühen gesammelt und getrocknet.
Sie enthalten ätherische Öle, Pflanzenschleime, Flavonoide, Hesperidin, Cumarine, Fraxinin und Vanillin.
Traditionell werden Lindenblüten bei Erkältungen, Fieber, Husten und nervösen Anspannungen eingesetzt. Gemeinsam mit Holunder, Salbei und Thymian gehören sie zu den klassischen Heilpflanzen Europas.
Lindenblütentee und traditionelle Anwendungen
Lindenblütentee wird bei fiebrigen Erkältungen geschätzt und findet auch bei innerer Unruhe Verwendung. In der Volksheilkunde wurde der Saft der Linde zudem als Haarwuchsmittel eingesetzt.

Lindenblätter als Nahrung und alte Bauernpraxis
Bauern schnitten in früherer Zeit die Linde oder die Esche jährlich zurück. Mit dem heilsamen Rückschnitt fütterten sie ihre Tiere.
Bis in die Jungsteinzeit, etwa 4300 vor Christus, reicht diese Art der Fütterung zurück.
Auch die jungen Blätter des Lindenbaumes gelten als bekömmlich und wurden vom Menschen genutzt.
Das leichte Lindenholz wird bis heute für den Klavier- und Orgelbau verwendet. Es liefert gutes Schnitzholz und diente als Material für Flechtwerk und Stricke.

Tanzlinden – Orte der Gemeinschaft
In ganz Europa gab es Tanzlinden. Viele dieser Bäume erhielten einen Stufenschnitt, damit Musikinstrumente an ihnen aufgehängt werden konnten.
Dort trafen sich die Menschen, musizierten, tanzten und sangen.
Im mittelbayerischen Ried steht eine Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die seit hundert Jahren den Namen „Wolframslinde“ trägt – als Erinnerung an Wolfram von Eschenbach, der die Urform des Parzival wieder ins europäische Bewusstsein brachte.
In den heidnischen Baumkulten war es üblich, sich unter dem Dorfbaum zu drehen.
Man denke an den Maibaum, der noch heute in vielen Städten und Dörfern steht, geschmückt mit Kränzen und Bändern.
Es symbolisiert den ehemaligen Kult zu Ehren der „Göttin Natur“.
Der Brauch der Tanzlinden ist leider weitgehend verschwunden.
Die Plätze machten Parkplätzen und Straßen Platz.
Linde und Selbstversorgung
Die Linde war über Jahrhunderte auch ein Baum der Selbstversorgung. Ihre jungen Blätter konnten als Nahrung verwendet werden, aus den Blüten wurde heilkräftiger Tee bereitet und die Bienen sammelten an den Lindenblüten den wertvollen Lindenhonig. Auch Holz und Bastfasern der Linde fanden vielfältige Anwendungen im Alltag der Menschen.

Die Linde als Herzbaum unserer Zeit
Die Linde kann uns auch heute aus dem Lärm der Zeit in die Kammern unseres Herzens, in den Kreis der Liebe führen. Wir leben in keiner harmlosen Zeit, vielen Menschen erscheint sie seltsam verzerrt.
In „Licht aus der Jurte“ arbeiten wir am Weisheitsweg, der hinter die Schleier der Illusionen führt und den Blick auf das Wesentliche wieder freigibt.
Doch auch am Tatenweg gibt es viel Arbeit zu tun.
Bäume wollen gepflanzt, Feuchtgebiete renaturiert und neue Wege des Zusammenlebens gefunden werden. Die äußere Veränderung braucht die innere Entwicklung, so wie Einsicht und Verantwortung zusammengehören.
Regina Hruska: „Ich glaube, dass unser spirituelles Bewusstsein eine Schlüsselrolle einnimmt. Wirkliche Veränderung wird nur eintreten, wenn wir dem Lindenbaum folgen und wieder anfangen zu singen, so wie es unsere Ahnen unter dem Lindenbaum getan haben.“
Die Linde erinnert daran, dass Gemeinschaft, Heilung und Verbundenheit über Jahrhunderte das Leben der Menschen getragen haben. Vielleicht braucht unsere Zeit wieder mehr von jener Milde, die unter den alten Linden Europas ihren Platz hatte.
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