
Ginster – Pflanze des Lichts, der Mythologie
und der Überlieferung
Ginster – Helfer in heißen Zeiten
Der Ginster ist eine Pflanze des Lichts, die auch in heißen und trockenen Zeiten ihre Widerstandskraft bewahrt. Heiß und trocken glimmt es in den gegenwärtigen Klima- und Weltverhältnissen. Weltweit leiden Menschen unter Unordnung und Chaos. Gesellschaftliche und persönliche Folgen sind innere Verkapselung, Unfruchtbarkeit und Verblendung durch Bild- und Technikhunger. Aus Denken und Tun entwickeln sich Gleichgültigkeit und das Machtprinzip: Wahr ist, was nützt.
Vielleicht kann der hitzeresistente Ginster zu einer Bewusstseinswandlung beitragen.
Der schattenspendende Ginster, der auf sandigen Böden tief in der Erde wurzelt, lädt auch in Hitze- und Trockenheitszeiten dazu ein, das Leben von seiner Innenseite zu betrachten. Das Wagnis einzugehen, Denken wieder mit der Seele zu verbinden. Um dann vielleicht mit klarem Blick den Sinn des Erdendaseins neu zu benennen oder wiederzufinden.
Ginster – Lichtträger in Zeiten der Verhärtung
Ginster wächst häufig auf Böschungen, an Waldrändern oder auf Lichtungen, wo meist die Fichte und die Kiefer den Raum verdunkeln.
Gerade dort, wo das Licht knapp erscheint, leuchtet seine gelbe Blütenpracht schon von weitem und setzt bewusste Lichtakzente in der Landschaft. Deshalb bevorzugt er – wie Hagebutte und Königskerze – sonnige, offene Plätze mit durchlässigem Boden.

Ginster in Mythologie und Religion
Auch die Heilige Schrift erwähnt den Ginsterstrauch mehrere Male, weshalb davon auszugehen ist, dass er auch in Palästina gewachsen ist. Dort erscheint er als Pflanze der Einsamkeit und des Rückzugs, zugleich jedoch als Ort innerer Sammlung, an dem neue Kraft entstehen kann.
Die Spuren des Ginsters führen weiter in den Osten, ins urpersische Reich, ins Hochland des Irans, wo auch Zypressen, Steineichen und Granatapfelbäume wuchsen. Dort begründete Zarathustra, einer der großen geistigen Führer der Menschheit, die Religion der Perser.
Von ihm wird berichtet, dass es ihm nach seinen zahlreichen Einweihungen durch Ahura Mazda möglich gewesen sei, auch als viehzüchtender Bauer segensreich zu wirken.
Im Alten Ägypten wuchs der Ginster unter den Strahlen der Götter, die Menschen und Natur immer wieder „ein neues Atemfeld“ schenkten. In den Darbringungen ihres Kultes waren neben Lotus, Papyrus, den Früchten des Feigenbaumes und der Palme auch der auf trockenem Grund wachsende Ginster eine Gabe an die Götter. Entscheidend in diesen Kulten war der Dialog, die Aufnahme des Kontaktes mit den Göttern und den Verstorbenen.

Die schriftlose Kultur der Kelten macht es schwierig, den Wahrheitsgehalt vieler Zuordnungen seriös zu benennen. Forschungen auf diesem Gebiet sowie Aufzeichnungen aus dem altirischen Mythenkreis sind jedoch zahlreich und zum Teil belegbar.
In der keltischen Mythologie weihten die Menschen den Ginster dem Sonnengott Belenos, dessen Fest am 1. Mai gefeiert wurde. Zu dieser Zeit entzündeten sie die Druidenfeuer neu, denn Licht galt als Ursprung des Lebens. Tiere wurden durch die reinigenden Flammen geführt, während die Menschen Erneuerung suchten.
Zum Unterschied von heute stand hinter diesen Festen das Ewige. Sie dienten der Reinigung und der Vertreibung dunkler Kräfte. So sollte das Licht des Belenos geistige Trübheit auflösen und die menschliche Sehnsucht nach dem Ursprung mit dem Göttlichen verbinden.
Im Christentum erhielt der Ginster eine andere Bedeutung, da er als Symbol für Entbehrung und ein hartes Leben galt. Zudem erzählen Überlieferungen, dass Hexen Ginsterzweige in ihre Besen banden.

Ginster – spirituelle Wirkung
In schamanischen Traditionen gilt der Besenginster als Opfergabe für Elementarwesen und Naturgeister, weil er Licht, Klarheit und Ausrichtung verkörpert.
Auf diese Weise begleitet er Menschen in Ritualen auf ihrem Weg zurück zu sich selbst und unterstützt die Verbindung zur Seele und zum inneren Ursprung.
Im Heilgarten von „Licht aus der Jurte Shamanic Centre Vienna“ wuchs der Ginster zunächst im Topf, wobei eine Mischung aus Sand und Heilerde aus dem eigenen Kompost ideale Bedingungen schuf. Nachdem er ausreichend Kraft gesammelt hatte, pflanzten wir ihn aus. Heute wächst er dort neben Lupinien, Klee und Goldregen und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des Gartens ein.
Zudem erweist sich der Ginster als ausgesprochen bienenfreundlich, denn seine Blüten bieten reichlich Nahrung. So ziehen sie Bienen und Insekten an, wodurch er aktiv zur Artenvielfalt beiträgt.

Besenginster – traditionelle Verwendung
Vom Frühling bis in den Herbst sammelten die Menschen die bitter schmeckenden Blüten des Besenginsters, da sie deren besondere Inhaltsstoffe schätzten. Dazu zählen Alkaloide, Gerbstoffe, Bitterstoffe sowie ätherische Öle.
Besenginsterkraut – überlieferte Wirkung
Stechginster gilt in der Volkskunde als Herzpflanze, denn man schrieb ihm eine herzstärkende, harntreibende und zusammenziehende Wirkung zu.
Insbesondere die Blüten unterstützten Menschen bei niedrigem Blutdruck oder Herzschwäche.
Dabei kombinierten Kräuterkundige den Frühlingsstrauch häufig mit Weißdorn, Baldrian, Zitronenmelisse oder Löwenzahn. Frühere Mischungen mit Maiglöckchen sind heute nicht mehr gebräuchlich, weil diese Pflanze stark giftig ist.
Ginster in der traditionellen Hausheilkunde
In den Bergregionen Österreichs bereiteten die Menschen aus Ginsterblüten einen Tee zu, den sie bei Gries- und Steinleiden, Verstopfung sowie Darmverschleimung einsetzten. Um den bitteren Geschmack auszugleichen, süßten sie den Tee meist mit Honig.
Auch die Samen fanden Verwendung, denn man kochte sie aus, seihten den Sud ab und süßte ihn ebenfalls mit Honig. Nach Überlieferung diente diese Zubereitung der Ausleitung von Giften.
Schließlich setzten die Menschen Schoten, Blätter und Blüten in Wein an, wobei sie die Mischung mit Honig verfeinerten. Anschließend nahmen sie die Tinktur nach eigenem Ermessen mehrmals täglich in kleinen Mengen ein.
Ginster und Selbstversorgung
Der Strauchginster spielt in der Selbstversorgung nur eine geringe Rolle und wird vor allem als Zier- und Landschaftsstrauch genutzt.
Der Ginster erinnert uns daran, dass Licht nicht dort entsteht, wo alles leicht ist. Gerade in kargen Zeiten können Widerstandskraft, Klarheit und die Verbindung zur Seele zu Wegweisern werden.
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