
Stechpalme – Druidenpflanze zwischen Schutz
und Winterkraft
Stechpalme – Wiederentdeckung in Zeiten des Wandels
Seit der mittleren Steinzeit ist die Stechpalme eine Begleiterin der Eiche. Bis heute liebt sie ihre Nähe.
Sie ist hartholzig und wächst sehr langsam. Deshalb ist sie als Unterwuchs bei hohen Bäumen gut geeignet. Stechpalmen wurden lange Zeit als Heckenpflanzen kultiviert und erleben jetzt, mit dem Anstieg von Temperatur und Trockenheit, eine Wiedergeburt.
Es ist fraglich, ob der Mensch in seiner Not – Bäume, Pflanzen, Wälder und Meere sterben – zurückfinden kann zum Ineinanderspiel von Geistigem und Materiellem. In eine Einheit, in der sich die Logik des Kopfes mit der Logik des Herzens wieder verbindet.
Auch darüber erzählt die Stechpalme und ihre kraftvolle Botschaft ist bis heute, wenn wir uns ihrer bewusst machen, aktuell.

Stechpalme in der keltischen Mythologie
Die Wanengötter und die Schulung des Menschen
Einst wurden die nordisch-germanischen Völker durch die allweisen Wanengötter geführt. Ihre Vertreter auf der Erde waren die Druiden, welche die Völker lenkten.
Lange Zeit hüteten die Wanengötter, die als Geister der Weisheit und der Bewegung gesehen werden können, die alten Sonnen- und Mondmysterien.
Sie wirkten bis weit in die germanische Zeit hinein. Weder Mensch noch Natur wurde als etwas Fertiges, Abgeschlossenes gesehen, sondern ewig im Werden, in Entwicklungen begriffen.
Ihr Anliegen war die Veredelung des Menschen. Dazu gab es Schulungen der Wahrnehmung der geistigen Welt und intensive Naturbeobachtung.
Die Stechpalme und der Grüne Mann
Die Stechpalme war eine Druidenpflanze mit dem keltischen Namen „Kolenno“ – „Hülsen“.
Mythologisch treffen wir sie im walisischen Mythos in der Sage von der blonden Göttin Creiddylad.
Sie verkörperte die Sonne. Wuchs das Jahr bis zur Sommersonnenwende und schwand es bis zur Wintersonnenwende – die Ritter kämpften für sie.
Der Mythos erzählt auch vom Himmelsgott, der, wurden die Tage länger, regierte. Sein Symbol war die Eiche. Danach erhob sich der Gott der Unterwelt, der Gott der Erde, und verkündete seine Ansprüche auf die Sonne. Sein Baum war die Stechpalme, die mit dem Geist der Vegetation, dem Grünen Mann, verbunden war.
Stechpalme in der Dichtung Richard Wagners
Die Stechpalme findet sich auch bei Richard Wagner in der Vertonung von „Tristan und Isolde“.
„Drei Bäume gibt es von edler Art. Die Stechpalme, den Efeu und die Eiche. Solange sie leben, tragen sie Blätter. Tristan gehöre ich, solange er lebt.“

Spirituelle Bedeutung der Stechpalme
Die Inselkelten schmückten und schützten zur Wintersonnenwende ihre Häuser nicht nur mit Mistel, sondern auch mit Ilex, Zweigen von Fichte, Tanne, Eibe und Efeu. Auch Heilpflanzen waren von Bedeutung und sind es bis heute geblieben.
Besonders in der Winterzeit freuen sich viele Menschen über die Stechpalme. Wenn sie zu einer schamanischen Reise in die mit Stechpalme, Efeu und Tannenzweigen geschmückte Jurte kommen, wird ihre immergrüne Kraft unmittelbar erfahrbar. Die Zweige stammen aus dem Heilgarten von „Licht aus der Jurte Shamanic Centre Vienna“ und der Shamanic Clinic Europe, wo sie unter Rosskastanie, Kirschlorbeer und Fichte wächst.
Die Stechpalme erinnert daran, dass selbst in der dunkelsten Jahreszeit Leben gegenwärtig bleibt.
Sie schenkt Schutz, Geborgenheit und die Gewissheit, dass der Winter nicht nur Rückzug bedeutet, sondern auch Vorbereitung auf neues Werden.
Druidenpflanze – Bedeutung und Schutzkraft
Plinius (23–79) schreibt ihr die verschiedensten Zauber- und Heilkräfte zu. Sie schützt das Haus vor Blitzschlag und Verzauberung, ihre Blüten verwandeln Wasser zu Eis, Tiere würden von ihrem Holze zahm.

Schutzpflanze und Schradlbaum
Regina Hruska: „Die Zweige des ‚Schradlbaumes‘, so heißt die Pflanze in Österreich, wehrten die ‚Schradln‘, üble Geistwesen, ab. Sie gehörten mithineingebunden in den Besen, um den Rauchfang, in dem sie sich versteckten, sauber zu halten.“
Im Mittelalter noch wurde Johannes der Täufer mit der Eiche und Jesus mit der Stechpalme assoziiert. In katholischen Zeremonien diente sie als Ersatz für die Palme am Palmsonntag. Im 16. Jahrhundert wurde sie kirchlicherseits als Weihnachtsschmuck verboten – bis heute nicht gelungen! Weitere Gelegenheiten, Bäume und Pflanzen zu diffamieren, bot die Dornenkrone. Alles, was Dornen und Stacheln hatte, wurde als teuflisch gebrandmarkt: Weißdorn, Akazie, Ginster, Weinrose und Hagebutte.

Giftigkeit und Bedeutung für Tiere
Die Pflanze ist für den Menschen giftig.
Sie ist Futter für Vögel wie Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken. Diese Vögel verbreiten die Samen und die kleinen Äste sind ein beliebter Schlafplatz für zahlreiche Tiere.
Stechpalme und Selbstversorgung
Die Stechpalme ist kein klassischer Bestandteil der Selbstversorgung, doch sie erfüllt eine wichtige Rolle im naturnahen Garten.
Als immergrüner Strauch bietet sie Schutz, Struktur und Lebensraum für Tiere, besonders in den Wintermonaten.
Auch wenn die Welt winterlich wird, bleibt etwas in uns grün.


