Maulbeerbaum

Der Maulbeerbaum verträgt Trockenheit
Schwarze Maulbeere, morus nigra, Famile Maulbeergewächse, Moraceae

Maulbeerbaum zwischen Weltenbaum,
Pilgerpfad und Zukunft

Maulbeerbaum – Herkunft und Eigenschaften eines vielseitigen und robusten Baumes der ursprünglich aus Asien, Amerika und Afrika stammt. Die Maulbeere gehört zur Gattung Morus und umfasst etwa sieben Arten, darunter die Weiße Maulbeere (Morus alba), die Rote Maulbeere (Morus rubra) und die Schwarze Maulbeere (Morus nigra). Charakteristisch für den Maulbeerbaum ist seine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Trockenheit.
Der robuste Baum liebt es windgeschützt und sonnig. Seine Wuchshöhe kann bis zu 15 Meter erreichen, er ist ein idealer Schattenbaum.

Maulbeerbaum als heiliger Weltenbaum Chinas

Die Weiße Maulbeere ist seit mehr als 5.000 Jahren in China die wichtigste Futterpflanze für Seidenraupen. Auch in Italien wird der Weiße Maulbeerbaum seit dem 15. Jahrhundert für die Seidengewinnung kultiviert. Die Blätter des Maulbeerbaumes sind ideales Futter für den Seidenspinner. Auch wenn dieser den Baum vollkommen entlaubt, treibt er wieder aus.
In chinesischen Überlieferungen gilt die Weiße Maulbeere als heiliger Weltenbaum K’ong-sang, der aus einer Zeit vor der Trennung von Gut und Böse stammt. Der Baum wuchs vor der Kaiserresidenz und streckte seine Zweige nach Osten.

Der Maulbeerbaum als Weltenbaum
Maulbeeren am alten Weltenbaum

Liebe, Schicksal und schwarze Früchte

Im Altertum finden wir im 4. Buch der „Metamorphosen“ des Ovid folgende Geschichte:
Pyramus und Thisbe, die sich heimlich Liebenden, verabredeten sich unter einem Maulbeerbaum der weiße Früchte trug.
Thisbe, auf ihren Geliebten wartend, versteckte sich in einer Höhle, als sich eine Löwin mit blutverschmiertem Maul näherte. Den Umhang, den Thisbe in der Eile verlor, zerriss die Löwein mit ihren blutigen Zähnen.

Als Pyramus am vereinbarten Ort eintraf fand er den zerfetzten Umhang neben den Spuren der großen Löwin. Voll Trauer und Schuld beschloss er, seiner totgeglaubten Geliebten zu folgen und stieß sich das Schwert in die Brust. Thisbe fand ihn im Sterben. Bevor auch sie den Tod wählte um mit ihrem Geliebten vereint zu sein, wünschte sie sich von dem Baum der die beiden schirmte: Trage stets dunkle, trauerfarbene Früchte als Denkmal für unser Blut! Der Wunsch rührte die Götter und seitdem trägt die gereifte Frucht des Maulbeerbaumes die schwarze Farbe.
Diese Geschichte erinnert an Richard Wagners Werk von „Tristan und Isolde“.

Der Maulbeerbaum war in muslimischen Ländern ein Kultbaum
Blätter des Maulbeerbaums als Nahrung der Seidenraupe

Der Baum im Strom des Werdens

Der Maulbeerbaum findet sich im arabisch – religiösen Raum entlang alter Pilgerrouten zu den Heiligtümern
der Muslime in Arabien. 

Große religiöse und kulturelle Bedeutung hat der schwarze Maulbeerbaum bei den Aleviten (religiöse Vereinigung in der Türkei). In ihren Heiligtümern wurde er gepflanzt, als der kosmische Baum, der sich immer wieder erneuert.

Seine schamanischen Bedeutungen finden sich bei den Turkvölkern. In den schamanischen Kulten war er ein Wunsch- Fruchtbarkeits- und Segensbaum. Baumkulte gab es nicht nur bei den Turkmenen und Bektaschis, es gab sie auch bei sunnitischen Muslimen.
Auch Eiche und Wacholder waren in diesen Kulten präsent.

In den Sufitraditionen stand er für Ausdauer und spirituelle Stärke.
In der gesamten Türkei wurde er vor beinahe jedes Haus gepflanzt. Er sollte den friedvollen Geist des Hauses stärken, Segen und Wohlstand bringen. Zahlreiche Märchen und Erzählungen ranken sich um ihn. Vergleichen können wir das mit unserem Holunder
In alten persichen und arabischen Gärten wurde er als Schattenspender gepflanzt. Oftmals gemeinsam mit Kirschbaum, Myrte, Zitronenbaum, Dattelpalme, Rose und Lavendel.
In diesen Gärten gab es kleine Teiche, mit Lotus und zahlreichen Wasserpflanzen.

Der Maulbeerbaum kann im Topf gezogen werden
Junge Maulbeerfrüchte am Baum des Wandels

Maulbeerbaum  und tiefere Erfahrungen
Licht aus der Jurte

Menschen, die alte arabische Pilgerrouten gegangen sind berichten im Schamanenzentrum Wien,
dass ihnen der Anblick der Maulbeerbäume auf den langen Wegen Kraft gegeben hat.
Viele fühlten sich dadurch mit ihren Ahnen verbunden.

Regina Hruska berichtet: „Der Maulbeerbaum kam vor vielen Jahren in den Heilgarten und wächst noch immer in einem großen Topf, der mit Heilerde aus dem Kompost des Heilgartens gefüllt ist. Er fühlt sich wohl und wir ernten jedes Jahr seine schwarzen Beeren.“

Teilnehmer von Seminaren sowie Menschen, die Termine und schamanische Behandlung buchen, kauen gerne die getrockneten schwarzen Maulbeeren, die geschmacklich an Rosinen erinnern.
Die dunklen Früchte des Maulbeerbaums wurden seit Jahrhunderten als natürlicher Farbstoff geschätzt. Mit ihrem tiefen Rotviolett verbinden sie die Welt der Früchte mit der alten Kunst des Färbens.

Heilende Früchte am Baum
Unreife Maulbeeren zwischen Blattgrün und Sommerlicht

Heilende Früchte

Maulbeeren gelten als hilfreich bei Halsschmerzen, ähnlich wie bekannte Heilpflanzen:
Dost, Goldrute, Holunder, Minzen, Schafgarbe, Salbei, Ingwer, Kapuzinerkresse und Thymian.

Auch bei Husten werden Maulbeeren eingesetzt, vergleichbar mit Mohn – Blüten, Veilchen, Königskerze, Huflattich, Malve, Eibisch und Andorn.

Maulbeerbaum in der chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) finden Blätter, Zweige und Wurzelrinde des Maulbeerbaums Anwendung. Sie werden insbesondere zur Reinigung und Stärkung der Leber eingesetzt. Auch die Heilpflanzen Odermennig, Frauenmantel, Eberraute, Schöllkraut, Wegwarte, Ziest, Beinwell, Thymian und Königskerze.

Die Rinde des Maulbeerbaums gilt in der chinesischen Medizin als kühlend. Sie hilft dabei, Hitze in den Lungen zu reduzieren und unterstützt den Qi-Fluss durch das Meridiansystem, was das energetische Gleichgewicht fördert.

Zukunft braucht Erinnerung

Westliche Zivilisationen haben einen langen Kampf geführt, um sich „die Natur untertan zu machen“. Menschen begannen zu glauben, sie seien aus etwas Besserem gemacht als Bäume und Pflanzen.
Die derzeitige Klimaerwärmung mit dem Zugrundegehen ganzer Ökosysteme lehrt etwas anderes.

Die globalen Veränderungen mit ihrer Ungewissheit, benötigen die Befreiung unseres Erinnerungsvermögens. Ausgangspunkt für diesen Prozess bedeutet, dass wir uns an Bäume erinnern, die dem ökologischen Chaos standhalten. 

Heilige Bäume und Kulturbäume

Der Maulbeerbaum gehört zu jenen Bäumen, die in vielen Kulturen als Segensbäume, Weltenbäume oder Schutzbäume verehrt wurden. Sie begleiteten Pilgerwege, Heiligtümer und spirituelle Traditionen und waren Ausdruck einer tiefen Verbindung zwischen Mensch, Natur und Kosmos.

Selbstversorgung – Maulbeeren und widerstandsfähige Obstbäume

Der Maulbeerbaum zählt zu den robusten Obstgehölzen warmer Regionen und verträgt Trockenheit und Hitze besser als viele andere Kulturpflanzen. Seine Früchte können frisch gegessen, getrocknet oder weiterverarbeitet werden und machen ihn zu einem interessanten Baum für naturnahe Gärten und eine zukunftsorientierte Selbstversorgung.

Der Maulbeerbaum hat Jahrtausende menschlicher Geschichte begleitet – als Weltenbaum, Pilgerbaum, Segensbaum und Fruchtbaum. Vielleicht liegt seine besondere Bedeutung heute darin, uns daran zu erinnern, dass Widerstandskraft, Erinnerung und Zukunft oft tiefere Wurzeln haben als wir glauben.

Schamane Wien         Kontakt   

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