Kollektive Intelligenz

 Aus dem Superorganismus der Bienen

Honigbienen (Apis mellifera) haben in ihrer Ganzheitlichkeit ein Gewirr von Kommunikationssystemen, Verhaltensweisen und Rückkoppelungsschleifen.  Aber wie funktionieren abertausende Bienen ohne Aufseher, kooperieren als Funktionseinheit und wie vervielfältigen sie damit die Fähigkeiten Einzelner? Ein Beispiel dafür ist der Bienenschwarm. Anfang Sommer, wenn ein Stock überbevölkert ist, teilt sich das Volk und es kommt zum Ausschwärmen. Dafür muss Vorarbeit geleistet werden.

Bienenkönigin

Sie ist die Mutter aller Bienen und die einzige Eierproduzentin. Sie ist weder die oberste Entscheidungsträgerin, noch eine Autorität. Sie weiß nichts um die Agenden des Stockes und wird von fürsorglichen Arbeiterinnen gefüttert.

Netzwerk

Arbeiterinnen sorgen auch für das gesamte Wohl des Stockes, leben eng zusammen, sind mit ihm und der Umwelt, dem Heilgarten, der mit unserem eigenen Kompost gedüngt wird und durch ein gemeinsames Signalrepertoire verbunden. Sie sind es auch, welche die Königin für den Abflug in ein neues zuhause fit machen. Sie wird gerüttelt, gestoßen, muss herumwandern, muss Gewicht verlieren um Fliegen zu können. Im Gegenteil dazu stopfen sich die Arbeiterinnen mit Honig voll, sie brauchen Energie für die kommenden Tage.

Vorschwarm

Nach wellenförmigen Signalpfiffen mit der Botschaft: aufwärmen, kommt es zu Schwirrlauten die heißen: Jetzt geht es los! 10 000tausende Bienen verlassen das Mutterhaus, bilden eine surrende Wolke und suchen sich in 20 – 30 Meter Entfernung einen Rastplatz. Heuer saßen sie in 30 Meter Höhe auf unserer Föhre.

Erkundungsinspektionen

Es muss von Wohnungssucherbienen eine neue Bienenwohnung gefunden werden. Zuständig dafür sind die Kundschafterbienen, die als Nahrungssammlerbienen viel Erfahrung mitbringen. Blüten, welche die Sammlerinnen gerne aufsuchen sind: Goldlack Lungenkraut Christrose Löwenzahn Lavendel Salbei Ehrenpreis Eibisch Minze Weide… Im Heilgarten rund um die Seminar – Jurte blühen das Jahr über hunderte Pflanzen, Sträucher und Bäume.

Kundschafterinnen sind die Sinnesorgane eines Schwarmes und fliegen aus um das Traumhaus für alle ausfindig zu machen. Die Macht unter ihnen ist gleichmäßig verteilt. Sie wählen ohne Anführer (die Königin bleibt Zaungast). Kundschafterinnen die einen attraktiven Platz gefunden haben berichten  über diesen mit einem

Schwänzeltanz

Sie beschreiben die Qualität eines Platzes mit der Stärke eines Tanzes. Die unermüdlichen Entdeckerinnen besuchen Dutzende Nistplätze, beurteilen diese und rekrutieren andere Bienen zur Besichtigung.

Tänze und Tanzparty

Schwache Tänze zeugen von schlechten Plätzen und starke Tänze zum Beispiel für gute Blütenstände. Bei mageren Futterplätzen endet ihr Tanz nach 20 Sekunden. Bei idealen Nistplätzen tanzt sie 85 Sekunden in 35 Runden. Und so scheiden immer mehr neue Wohnungen aus, bis die ideale übrig bleibt.  Entschieden wird nach gemeinsamen Vorlieben und gemeinsamen Interessen.

Solidarität

Sie leben keine Demokratie der Gegner. Sie müssen für ihr Überleben als Ganzheit arbeiten. Würden sie die Königin, die für ihren Nachwuchs sorgt verlieren, hätte dies tödliche Folgen für alle.

Die Energie der Kommunikation

Im Inneren des Schwarmes hat es 35 Grad Celsius.  Die Wärme wird durch Zittern (250 Fülgelschläge/Sekunde) erzeugt. Bienen im Außenbereich senken ihre Temperatur bis kurz vor die Kältestarre und müssen sich vor dem Abflug wieder aufwärmen.

Ritualisierung – Zielgerichtete Signale

Wie kommt es nach der Nistplatzentscheidung zum gemeinsamen Abflug tausender Bienen? Eine Biene beginnt mit einem hohen, schrillen pfeifen (1 Sekunde). 30 Minuten vor dem Abflug haben bereits viele Bienen eingestimmt, wechseln zwischen Pfeifkonzert und Schwänzeltänzen. Es ist wie ein Schütteln und steigert die Aktivität. Hinzu kommt der Schwirrlauf.

 

Ritualisiertes Signalsystem

Dieses Ritual ist evolutionären Ursprungs und wurde in den Zeiträumen der Evolution immer wieder verfeinert. Kundschafterinnen wissen, wann der Schwarm bereit zum Abflug ins neue Haus ist und Schwirrlaufsignale versetzten sie in die Lage Informationen weiterzugeben. Flitzerbienen sind am Himmel gut sichtbar, rasen einige Sekunden um den Schwarm, landen auf ihn, steigen wieder auf… Untätige und Verschlafene werden aktiviert, nötigenfalls auseinandergetrieben, zum Aufwärmen aufgerufen. Kurz vor dem Abflug setzten 80 Prozent der Bienen die Energie für den Flug frei und dann geht es los. Die Schwirrbienen ruhen nicht, sie achten auf Nachzügler und motivieren diese.

Licht und Süße

Fossilien aus dem Oligozän (vor 33 Millionen Jahren) belegen das Alter unserer Honigbienen. Seit damals bringen sie ihre Gaben und ihre kollektive Klugheit auf die Erde.

Wir alle leben in einem Zeitalter des Wandels und unser Bewusstsein entwickelt sich weg von einem Hyper – Individualismus und hin zu einer Annahme der Wechselseitigkeit und Verwandtschaft. Hin zu lebendigen Systemen, die gegenseitig voneinander abhängig sind. In unseren Fortbildungsseminaren, in den Aus- und Weiterbildungen ist jeder Teilnehmer auch eingebunden in die stärkende Energie des Heilgartens.

 

 

 

 

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