Feigenbaum und schamanische Einweihung –
gehalten werden auf dem Weg
Der Feigenbaum an der Schwelle zwischen Untergang und Rettung
Der Feigenbaum erscheint in der Odyssee des Homer als ein überraschendes Bild schamanischer Einweihung. Der Held hat Schiff, Gefährten und jede Sicherheit verloren. Zwischen Untergang und Rettung hält er sich an einem Feigenbaum fest.
In der Odyssee des Homer erscheint der Feigenbaum nicht zufällig. Dort, wo die Kräfte des Verschlingens und der Auflösung am stärksten sind, wird er zum Zeichen des Überlebens – und vielleicht auch zum Bild einer Einweihung.

Der Feigenbaum als Bild der Einweihung
Eine dieser Verbindungen zwischen Mythologie und Natur findet sich in der Odyssee des Homer.
Der sehende Homer stellt den Feigenbaum als mythisches Bild der Prinzipien von Einweihung dar. Odysseus hat Schiff, Gefährten und jede äußere Sicherheit verloren. Er hängt zwischen Untergang und Rettung, zwischen Meerestiefe und Wiederaufstieg.
Der Feigenbaum steht an der Grenze. Dort, wo die Kräfte des Verschlingens und der Auflösung am stärksten sind.
Die Prinzipien der Einweihung sind im Bild des Feigenbaumes gegeben. Auch das eleusinisch-dionysische Mysterienwesen bediente sich des Bildes des Feigenbaumes – jener alten Mysterien, in denen Tod, Wiedergeburt, Wandlung und geistige Reifung eine zentrale Rolle spielten. Der Feigenbaum gehört hier nicht nur zur Landschaft, sondern zur Bildsprache der Einweihung.
Er steht für eine Stufe der Erkenntnis, die durch Gefahr, Verlust und Grenzerfahrung hindurchführt.
Dass Odysseus sich an ihm festhält, kann daher auch als Bild gelesen werden: Der Mensch wird im Moment der äußersten Prüfung von einer verborgenen Ordnung getragen.
Heilige Bäume – verborgene Zeichen in der Odyssee
In der Odyssee erscheinen Bäume nicht nur als Teil einer Landschaft, sondern als Träger tieferer Bedeutungen. Sie verweisen auf Herkunft, Schicksal, Wandlung und Wiedererkennen.
Feigenbaum, Birne, Apfel und Rebe – Pflanzen des Lebensweges
Die Birnbäume deuten auf das Geborenwerden aus dem „Vatergrund“ der Welt. Sie stehen für Ursprung und Hervorgehen und tragen zugleich den Hinweis auf Vergänglichkeit in sich.
Die Apfelbäume sind mit dem Schicksalsgeheimnis des Menschen verbunden. Der Apfel erinnert daran, dass Werden, Erkenntnis und Leid oft miteinander verwoben sind.
Die Reben verweisen auf Wein, Wandlung und göttliche Lebenskraft. Aus der Pflanze wird Frucht, aus der Frucht Wein, aus dem Wein ein Zeichen von Opfer, Gemeinschaft, Rausch und Erkenntnis.
Gemeinsam mit dem Feigenbaum bilden diese Pflanzen ein mythisches Bild des Lebensweges.
Sie erzählen von Geburt und Schicksal, von Fruchtbarkeit und Reifung, von göttlicher Führung und menschlicher Prüfung.
Der Garten wird so zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart, Erde und Schicksal wieder miteinander verbunden werden.

Feigenbaum und Schamanische Einweihung –
wenn sich die Seelentore öffnen
Schamanische Einweihungen scheinen in unserer Zeit an Bedeutung verloren zu haben.
In einer Zeit, in der Einweihung oft mit schnellen Versprechen und spirituellem Konsum verwechselt wird, erinnern die alten Mythen daran, dass Wandlung Zeit, Hingabe und die Bereitschaft verlangt, durch Prüfungen hindurchzugehen.
So wie wir die schamanische Einweihung in der schamanischen Ausbildung in
„Licht aus der Jurte Shamanic Centre Vienna“ erleben, besitzt sie im traditionellen Schamanismus nach wie vor einen hohen Stellenwert.
Die Teilnehmer der Ausbildung „Spirituelles Heilen – Heilschamanismus“ bereiten sich sorgfältig auf den schamanischen Weg vor. Sie arbeiten in den Seminaren intensiv daran, Heilwissen und Heilpraktiken zu erlernen, die Felder der Mythologien zu öffnen, ihre Verbindung mit den Netzwerken der Natur zu stärken und die Seelentore in sich selbst weiter zu öffnen.
Gehalten werden auf dem schamanischen Weg
Das Vertrauen aufzubauen, dass der Mensch, wenn er aus eigener Kraft nicht weiterkommt, gehalten wird, ist eine wesentliche Erfahrung am schamanischen Weg.
Er wird so lange getragen, bis eine neue Stufe des Weges sichtbar und möglich wird.
Vielleicht liegt darin eine der tiefsten Bedeutungen des Feigenbaumes: Nicht darin, Prüfungen zu vermeiden, sondern zu erfahren, dass selbst in den dunkelsten Übergängen eine verborgene Ordnung wirkt, die den Menschen durch Verlust, Wandlung und Heimkehr begleitet.



